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salomo publishing

Die Liebe zum Buch liest mit

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(© salomo publishing)

Katharina Salomo führt ihren kleinen, unabhängigen Dresdner Verlag seit 2009

Katharina Salomo hält ein Buch in die Kamera
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(© Jan Gütter)

Der Spaß bei der Arbeit darf nie zu kurz kommen: Katharina Salomo scherzt mit Autor Francis Mohr

Katharina Salomo scherzt mit Autor Francis Mohr
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(© salomo publishing)

Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange mit Katharina Salomo am Messestand von salomo publishing zur Leipziger Buchmesse 2017

Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange mit Katharina Salomo am Messestand von salomo publishing zur Leipziger Buchmesse 2017
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(© salomo publishing)

Zur Leipziger Buchmesse ist am Messestand von salomo publishing immer viel zu tun

Leipziger Buchmesse 2017, Messestand salomo publishing

Katharina Salomo hat 2009 in Dresden ihren kleinen, unabhängigen Verlag gegründet – salomo publishing. Sie führt ihn noch heute als Inhaberin und Verlegerin und hat sich in der Hauptsache der Veröffentlichung hochwertiger Romanliteratur verschrieben.

Zum Verlag gehören seit 2011 außerdem die Imprints Dresdner Buchverlag und zwiebook. Unter dem Label Dresdner Buchverlag erscheinen Titel, die sich mit sächsischer Geschichte und regionalen Dresdner Themen befassen. Bei zwiebook, dem Label mit dem markanten roten Bock, erscheint Kurzprosa, vor allem von neuentdeckten oder jungen Autoren.

Um die drei Säulen ihres Verlagsprogramms deutlicher voneinander abzugrenzen und inhaltlich stärker auszubauen, hat sie 2011 das Mikrodarlehen der SAB beantragt.

 

Frau Salomo, sie haben das Mikrodarlehen zum Auf- bzw. Umbau Ihres Unternehmens genutzt. Wie hat sich Ihr Geschäft seitdem entwickelt? 

Im Großen und Ganzen positiv. Obwohl die letzten Jahre für die Buchbranche sehr schwierig waren, haben wir selbst glücklicherweise bisher jedes Jahr ein kleines Wachstum verzeichnen können. Nicht viel, aber für ein kleines Unternehmen in so schwierigem Fahrwasser ein großer Erfolg. Ich bin davon überzeugt, dass dies auch auf die getätigten Investitionen im Rahmen des Mikrodarlehens zurückzuführen ist, denn dadurch hatten wir die Möglichkeit, unsere Verlagsarbeit klarer zu strukturieren und zu professionalisieren, unsere Produkte besser aufzustellen und insgesamt innovativer und kundenorientierter zu werden, um uns nachhaltig unseren Platz als Verlag in der Kultur- und Kreativwirtschaft Dresdens zu sichern.

Dem Buchmarkt geht es ja derzeit alles andere als gut. Immer weniger Menschen greifen zum Buch, in den letzten Jahren sind 6,5 Millionen Leser „abhandengekommen“. Wirkt sich dieser Trend auch auf Ihr Geschäft aus?

Ja, das tut er. Leider. Warum sollte auch das, was die Branche bewegt, vor unserer Tür haltmachen? Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich das Medienkonsumverhalten ändert. Die Zahl der Menschen, die mindestens einmal pro Woche ein Buch in die Hand nehmen, ist nach einer Studie aus dem Jahr 2017 von 49 Prozent im Jahr 2012 auf 42 Prozent im vergangenen Jahr gefallen. Als eine mögliche Ursache gilt die wachsende Bedeutung der sozialen Netzwerke oder von Streaming-Diensten. Diese nehmen viel Zeit weg und konkurrieren mit dem Buch. Und auch auf dem Smartphone, dem inzwischen fast wichtigsten Begleiter des Menschen, lässt sich nur schwer ein Buch lesen.

Ist diesem Trend etwas entgegenzusetzen? Was tun Sie?

Das Wichtigste ist, sich immer wieder mit den Lesern und deren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Vieles hat damit zu tun, wo und wie man ins Gespräch mit seinen Lesern kommt – und dies findet heute nicht mehr ausschließlich über den stationären Buchhandel statt. Man darf also nicht müde werden, neue Wege zu finden, das Publikum zu erreichen. Von Messen über Märkte bis hin zu literarischen Veranstaltungen jeglicher Art reicht der Ideenpool, dabei ist die Ansprache online genauso richtig und wichtig wie die vor Ort. Denn kommt der Leser nicht mehr zum Buch, muss das Buch zum Leser kommen – und das geht natürlich am besten über einen persönlichen und zwischenmenschlichen Kontakt zwischen Verlag bzw. Autor und Publikum.

Ich glaube fest daran, dass die meisten der „Buch-Abwanderer“ Sehnsucht nach guter Literatur bzw. nach fesselnden Geschichten haben, dass sie ein gutes Buch zu schätzen wissen – jedoch kommen sie im hektischen Alltag, gestresst auch noch durch die sozialen Medien und abgelenkt durch andere Unterhaltungsformate, weniger oder gar nicht mehr zum Lesen. Hier braucht es also wieder etwas „Starthilfe“ – und wer könnte diese besser geben als die „Menschen hinter den Büchern“?

Ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit als Verlegerin besteht heute also darin, unsere Bücher zu den Lesern zu bringen, den Menschen durch die verschiedensten Aktionen, Veranstaltungen usw. den Kontakt zu unseren Büchern zu ermöglichen. So bieten wir – um nur ein Beispiel zu nennen – zu den Büchern des Dresdner Autors und experimentellen Archäologen Mario Sempf ungewöhnliche Stadtführungen durch Dresden an. Der Autor beschäftigt sich in seinen Werken „Vom Hängen und Würgen – Dresdens schaurige Geheimnisse“ (Dresdner Buchverlag, 2017) und „Blutiger Barock“ (Dresdner Buchverlag, 2017) mit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gerichtsbarkeit in Dresden bzw. Sachsen. Ein „schauderhaftes“ Thema, das für ungewöhnliche intermediale Vermarktungsformate wie Grusel-Stadtrundfahrten im Oldtimer-Bus oder Henkertouren geradezu prädestiniert ist. Und da scheue ich mich als Verlegerin natürlich auch nicht, selbst kräftig mitzumachen.

Wer mehr wissen möchte, auf unserer Webseite www.mittelalter-dresden.de gibt es weitere Informationen rund um die Bücher von Mario Sempf sowie unsere Stadttouren.

Ein anderer wichtiger Teil meiner Arbeit ist es, Autoren und Manuskripte zu finden (und umzusetzen), die die Leser begeistern. Dazu ist es mir persönlich wichtig, nicht nur inhaltlich zu einhundertzehn Prozent hinter den Büchern zu stehen, die ich verlege, sondern ein Buch aus unserem Verlag muss auch in Ausführung und Aufmachung schon Lust aufs Lesen machen – egal, ob es als gedrucktes Buch oder als E-Book erscheint.

Der Autor/die Autorin hat beim Schreiben oftmals monate- oder sogar jahrelang sein/ihr Bestes gegeben, um seine/ihre Geschichte zu erzählen, also sollte man auch in der Buchherstellung als Verlag sein ganzes Herzblut und Können in das Werk hineinlegen. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Publikum diese Liebe zum Buch sieht und spürt. Dies ist auch der Grund, aus dem wir nur etwa 8 bis maximal 10 Bücher pro Jahr herausbringen. Denn eine inhaltliche wie äußerliche hohe Qualität unserer Titel geht bei uns vor Quantität, und die Zufriedenheit des Publikums mit unseren Büchern sowie mit allem, was wir drum herum an Aktionen bereithalten, ist unser höchstes Ziel.

Warum haben Sie sich für ein Mikrodarlehen der SAB entschieden und nicht für den Kredit einer klassischen Bank?

Darf ich ehrlich sein? Im Jahr 2011 – das war zwei Jahre nach unserer Verlagsgründung – hätte mir eine klassische Bank mit großer Wahrscheinlichkeit gar keinen Kredit gegeben, war ich doch fast noch Existenzgründerin und dazu noch in der Kultur- und Kreativbranche. Da gab es doch an mir nichts zu verdienen. Ganz im Gegenteil. Umso dankbarer bin ich der SAB und dem Europäischen Sozialfonds, die mir und meinem Verlag mit dem zinsgünstigen Mikrodarlehen die unkomplizierte Möglichkeit gegeben haben, zu investieren, zum Wohle meines Unternehmens an einigen Stellschrauben zu drehen und den Kredit auf moderate Art und Weise zurückzuzahlen.

Würden sie das Mikrodarlehen noch einmal nutzen?

Ja, das würde ich. Und ich kann es jedem Existenzgründer auch mit gutem Gewissen empfehlen. Die Beantragung ging unkompliziert vonstatten und selbst für jemanden wie mich, die Formularstapel und Dokumentenberge hasst, war alles überschaubar und mit Hilfe meines Unternehmensberaters schnell zu bearbeiten.

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