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Altbergsanierung und Wasserableitung aus alten Bergbaustollen

Viele Bergbaustolln in Sachsen werden seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Die Unternehmen, die sie betrieben, gibt es schon lange nicht mehr. Für die Folgen, die der sogenannte »Altbergbau« in Sachsen verursacht, kommt deshalb kein Rechtsnachfolger auf. Vor allem der Erz- und der Steinkohlebergbau haben großflächige unterirdische Hohlräume hinterlassen, aber auch Halden und andere Bergbauanlagen. Alte Entwässerungsstolln, die den Bergbau in größeren Tiefen ermöglichten, verändern die natürlichen Abflussverhältnisse an der Oberfläche und im Untergrund. Von den Spätschäden des Bergbaus sind vor allem Orte im Erzgebirge, in der Region Chemnitz und in Einzelfällen auch in der Region Dresden betroffen.

Die Schäden mindern die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten vor Ort und führen zu Umweltbeeinträchtigungen. Doch der Freistaat Sachsen handelt, bevor sich beispielsweise urplötzlich Löcher im Asphalt auftun und Menschen zu Schaden kommen. Für die Prävention von Risiken des Altbergbaus stehen insgesamt 50 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. Damit werden vielfältige Sanierungsarbeiten ermöglicht. Die Zeit drängt, denn durch extreme Wetterlagen wie Starkregen und längere Trockenperioden werden natürlichen Prozesse wie Verwitterung und Erosion sowie die Alterung von technischen Einrichtungen wesentlich verstärkt und beschleunigt.

Bündel konkreter Maßnahmen

  • Risikobehaftete und entwicklungshemmende Hinterlassenschaften werden geotechnisch gesichert oder rückgebaut. Das verhindert das Abgehen von Böschungen bei Starkregen und dient dem Schutz der Infrastruktur.
  • Bei nicht gut gesicherten Schächten wird die Oberfläche präventiv vor sogenannten »Tagesbrüchen« geschützt. Darunter versteht man die Löcher, die sich urplötzlich an der Oberfläche auftun.
  • Alte Entwässerungsstolln werden wieder funktionstüchtig gemacht, damit das zulaufende Grund- und Oberflächenwasser kontrolliert abfließen kann. Das ist eine wichtige Voraussetzung für stabile hydraulische und geotechnische Verhältnisse in den alten Hohlräumen und an der Tagesoberfläche. Diese Maßnahmen tragen auch zum Hochwasserschutz bei.

Die positiven Folgen: Die Infrastruktur an den betroffenen Standorten wird dadurch für Bevölkerung und Unternehmen gesichert und besser nutzbar, denn auf diese Flächen sind keine negativen Auswirkungen des Altbergbaus mehr zu erwarten.

Sanierung des »Blei- und Silberzecher Stolln« in Thum

Als eines der ersten Projekte wurde im Oktober 2015 die mit der Sanierung des »Blei- und Silberzecher Stolln« in Thum im Erzgebirge begonnen.

Der »Blei- und Silberzecher Stolln« ist der Hauptentwässerungsstolln für die Gruben im Thumer Bergbaugebiet. Aufgrund des schlechten Zustandes des Stollns wurde das auftretende Wasser bislang nur diffus in Richtung Jahnsbach abgeleitet. Dadurch bestand ein hohes Risiko, dass im Stollen aufgestautes Grundwasser schlagartig im Stadtgebiet austritt und gravierende Schäden verursacht. Durch die Baumaßnahme werden stabile hydraulische und geotechnische Verhältnisse im Grubenrevier und an der Tagesoberfläche geschaffen. Dafür wird die freie und kontrollierbare Wasserableitung aus den Gruben des »Blei- und Silberzecher Stolln« wieder hergestellt. Insgesamt sind rund 400 Meter Stollen zu sanieren, die ausschließlich unter bebautem Gebiet verlaufen.

Das Projekt wird in zwei Bauabschnitten ausgeführt: Im ersten Bauabschnitt hat man bereits eine hydraulisch sichere und kontrollierbare Ableitung der Grubenwässer erreicht. Mit dem zweiten Bauabschnitt wurde im Frühjahr 2016 begonnen. Jetzt erkundet man einen bislang unbekannten Stollnabschnitt. Er soll bis zum Ende der Baumaßnahmen im ersten Halbjahr 2017 dauerhaft gesichert sein. Dieses Projekt kostet rund zwei Millionen Euro.

Sanierung des »Johannes Stolln« und des »Heilige Dreifaltigkeit Stolln« in Seiffen

Ein weiteres Projekt begann im November 2015 in Seiffen im Erzgebirge: Die Sanierung des »Johannes Stolln« und des »Heilige Dreifaltigkeit Stolln«. Durch diese beiden Stolln wurde das auftretende Grundwasser im Seiffener Bergbaugebiet abgeleitet. Hier sind die Ausgangssituation und das Vorgehen ähnlich wie in Thum: Der Stolln befindet sich in schlechtem Zustand; die Ableitung des Wassers Richtung Dorfbach erfolgt nur eingeschränkt. Deshalb kam es in den letzten Jahren in Seiffen wiederholt zu unkontrollierten Wasseranstiegen innerhalb der Stolln. Böschungen drohten abzurutschen. Man musste jederzeit mit plötzlich auftretenden Tagesbrüchen oder massiven Stollnwasseraustritten im dicht bebauten Ortsgebiet von Seiffen rechnen.

Vorbereitende Arbeiten umgesetzt

Auch hier geht es bei den Baumaßnahmen um die Herstellung stabiler hydraulischer und geotechnischer Verhältnisse im Grubenrevier und an der Tagesoberfläche. Im November 2015 begannen zunächst die vorbereitenden Arbeiten: Bäume wurden gefällt, Zuwege geschaffen, die Baustelle wurde eingerichtet und eine steile Böschung durch Netze gesichert. Zwei Erkundungsschächte wurden neu eingerichtet. Darüber gelangen die Bergleute von der Erdoberfläche in die beiden Stolln. Insgesamt sind hier rund 1.800 Meter Stollen zu sanieren, die zu großen Teilen unter bebautem Gebiet verlaufen. Für die bergbauliche Sanierung ist eine Bauzeit knapp zwei Jahren geplant. Das Projekt kostet rund 3,6 Millionen Euro.

Sanierung des Sankt-Johannes-Erbstollns in Erla-Crandorf

Im dritten Projekt der derzeitigen EFRE Periode starteten die untertägigen Sanierungsarbeiten im Juni 2016.

Für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit müssen stabile hydraulische und geotechnische Verhältnisse im Grubenrevier und an der Tagesoberfläche auf lange Sicht geschaffen werden. Dies wird durch die Wiederherstellung einer freien und kontrollierbaren Wasserableitung aus den Grubenbauen des Rothenberger Gangzuges im Bereich des Sankt-Johannes-Erbstolln und der drei alten Kunstschächte erreicht. Insgesamt sind rund 650 m Stolln zu sanieren, die ausschließlich unter bebautem Gebiet der Stadt Erla-Crandorf verlaufen. In die Sanierungsarbeiten im Stolln muss die Sicherung der drei alten Kunstschächte eingebunden werden. Für die bergbauliche Sanierung ist eine Bauzeit von 18 Monaten geplant. Die Projektkosten betragen insgesamt rund 1,8 Mio. Euro

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Themenkennzeichnung der durch EFRE geförderten Projekte

Sächsisches Oberbergamt

Sächsisches Oberbergamt

Referat 32 / Altbergbau

© Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr